2021-04-22 13:27:04

Frauenanteil in der Mathematik bleibt gering

Die Pisa Studie aus dem Jahr 2018 hat gezeigt, dass Mädchen im Fach Mathematik weltweit schlechter abschneiden als Jungen. Dieser Missstand wird auch als Gender Gap, was wörtlich übersetzt Geschlechter-Lücke bedeutet bezeichnet. Aber was bedeutet dies? Gibt es biologische Gründe für die mathematischen Leistungsdifferenzen? Oder liegt es an den unterschiedlichen Rollenbildern der Geschlechter innerhalb der Gesellschaft? Wir haben das Thema genauer unter die Lupe genommen. 

Mathekenntnisse sind keine Frage der Genetik

Experimente haben gezeigt, dass keine genetischen Unterschiede beim weiblichen und das männlichen Gehirn bzgl. des abstrakten Denkens bestehen. Gibt es etwa Unterschiede, wie z. B. in räumlichem Vorstellungsvermögen, lassen sich diese jedoch durch Übung ausgleichen. Einen Grund für die Leistungsunterschiede in Mathe könnte jedoch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e. V. (DIW) aus dem Jahr 2017 offenlegen. Demnach haben Frauen weniger Selbstvertrauen ihren mathematischen Fähigkeiten gegenüber als Männer. Zudem zeigt die Studie, dass sich Mädchen und junge Frauen generell in Mathematik schlechter einschätzen als Jungs. Dagegen ist dies im Fach Deutsch anders herum. 

Genderforscherin Anina Mischau kritisiert insbesondere die fehlenden weiblichen Rollenbilder in der Mathematik: „Es hat sich so gut wie nichts geändert. Ich finde es unglaublich, dass man der jungen Generation eine einzige Mathematikerin zeigt. (...) Es entsteht ein Bild, als hätten in der Geschichte jemals nur Männer Mathe gemacht, als wäre die Mathematik von Männern erfunden worden.“

Fehlende weibliche Vorbilder in der Mathematik führt dazu, dass Mädchen und Frauen sich mit dem Fach schlechter identifizieren können. Dies hat später auch Auswirkungen auf die Berufswahl. Immerhin liegt der Anteil von Frauen in der mathematischen Forschung in Deutschland bei lediglich 35 %. 

Lesetipp: TIMSS-Studie legt Mathe-Lücken von Viertklässlern offen 

Studie stellt fest: Nur wenige wissenschaftliche Facharbeiten von Frauen 

Auch in der Wissenschaft sieht man die Gender Gap deutlich. Das internationale Projekt “Gender Gap in Science” unter Federführung des „Komitees für Frauen in der Mathematik“ der International Mathematical Union (IMU) analysierte mithilfe eines speziell entwickelten Algorithmus die Fachzeitschriften der letzten 50 Jahre. Zudem wurde eine weltweite Umfrage unter über 32.000 Forschenden in Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften zu deren Karriere-Verläufen durchgeführt. Ein Ergebnis: Es werden wissenschaftliche Facharbeiten, die von Frauen geschrieben wurden seit Jahrzehnten entweder nicht von Fachzeitschriften angenommen oder schlechter bewertet. Daher steht der Autorinnen-Anteil gegenüber Männern seit den 1970er Jahren konstant bei lediglich 10 %. Zudem werden Frauen nach wie vor schlechter bezahlt als Männer und die unbezahlte Elternschaft führt bei Frauen viel häufiger zu Einschnitten in der Karriere als bei Männern. Und sexuelle Belästigung oder Gewalt sind auch in der Wissenschaft weit verbreitet und treiben viele Frauen aus der Forschung. 

Dazu kommt, dass bereits im Elternhaus Geschlechterstereotype weitergegeben werden. Wie eine OECD-Studie belegt, können sich 39 % der Eltern vorstellen, dass ihre Söhne in naturwissenschaftlich-technischen Berufen arbeiten. Aber nur 14 % wünschen sich dies für ihre Töchter. Daher ist es wichtig, Mädchen bereits früh zu ermutigen, sich für das Fach Mathematik zu interessieren. 

Um die Gender Gap in Mathematik zu schließen, müssen unterschiedliche Maßnahmen getroffen werden. Zum einen müssen weibliche Vorbilder geschaffen werden, die ihnen die Mathematik näher bringen. Zum anderen müssen Sterotype aufgelöst werden und ihnen bereits früh die Freiheit gelassen werden, sich für das Fach zu interessieren. Je frühe sie ermutigt und gefördert werden, desto besser stehen die Chancen, dass die Anzahl an weiblichen Mathematikerinnen steigt.

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