Rassismus in der Mathematik? – Lernkonzepte in den USA sollen für Aufklärung sorgen
Diese Nachricht sorgte für Aufruhr und für einige Falschmeldungen sowie irreführende Berichte in den deutschsprachigen Medien: Denn während einige große Tageszeitungen und Parteien behaupteten, es gäbe vermeintliche Pläne, im US-Bundesstaat Oregon die Grundregeln der Mathematik auszusetzen, um damit Diskriminierung zu verhindern, handelte es sich lediglich um ein Konzept, welches an den sogenannten „Black History Month“ angelehnt ist und herausragende schwarze Mathematiker und Pädagogen würdigen soll.
Partei und Tageszeitungen veröffentlichen Falschmeldungen über grundlegende Änderungen in der Mathematik
Verschiedene Zeitungen wie der "Südkurier", die "Kölnische Rundschau" und weitere veröffentlichten einen Beitrag, in dem darüber berichtet wird, dass in den USA womöglich „2 plus 2“ wohl bald nicht mehr nur 4 ergeben würde, sondern auch andere Ergebnisse als „richtige“ Antwort zugelassen werden. Auch die AfD äußerte sich zu dem Thema und veröffentlichte auf Grundlage des Berichts des Südkurierals auch der Wochenzeitung „Jungen Freiheit“ die Schlagzeile mit dem Tittel "Irrenhaus: Wegen 'Rassismus' sollen mehrere Mathe-Antworten erlaubt sein!" - und schrieb weiter:
„Das politisch korrekte Ideologie-Irrenhaus hat sich wieder einmal selbst übertroffen: Bei Rechenaufgaben sollen im US-Bundesstaat Oregon künftig mehrere Antworten erlaubt sein, weil der Glaube an "neutrale Antworten" bereits "ein Charakterzug weißer Überlegenheit" sei. Die Aussage, dass zwei plus zwei eindeutig vier ergibt, wäre demnach voll rassistisch! Hinter dem irren Plan steckt die linksradikale Bildungs-Abteilung des Bundesstaats, die mit solchen Vorstößen offenbar die Mathematik-Leistungen von Latinos und Schwarzen in den Vereinigten Staaten verschleiern will.“
Doch die Aufregungen waren grundlos. Denn hier geht es weder um Ethnomathematik, noch soll wie im Roman „1984“ von George Orwell 2 +2 ab sofort 5 statt 4 ergeben. Denn hinter der originalen Nachricht vermeintlich schockierenden Nachricht steckt der Black History Month. Genauer gesagt, war dieser Thema in einem Newsletter, der im Bundesstaat Oregon an der US-Pazifikküste vom Bildungsministerium versendet Anfang Februar wurde. Ziel war es im Rahmen des Black History Month herausragende schwarze Mathematiker und Pädagogen zu würdigen. Zudem wies das Ministerium auf Beiträge hin, um strukturellen Rassismus in den MINT-Disziplinen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu thematisieren und damit "eine neue Normalität für die MINT-Bildung zu schaffen".
Weiterhin empfahl das Ministerium einen Online-Kurs mit dem Titel "Pathway to Math Equity Micro-Course 2.0: Valuing and elevating student discourse in the math classroom". Darin sollen pädagogische Konzepte vermittelt werden, um die Ergebnisse von schwarzen, lateinamerikanischen und mehrsprachigen Schülerinnen und Schülern zu verbessern. Denn Studien zeigen, dass diese Gruppen schlechter abschneiden.
Mathenote verbessern durch alternative Präsentationswege
Die vom Bildungsministerium verlinkte Initiative behauptet in einem anderen Dokument auf ihrer Webseite zudem, dass es ein Zeichen der Kultur der weißen Vorherrschaft sei, wenn Pädagogen von den Schülern verlangten, ihre Arbeit vorzulegen ("to show their work"), weil dies den Schülern nicht dabei helfe, Informationen zu verarbeiten. Vor diesem Hintergrund wird in dem Papier - das aber weder vom Ministerium empfohlen noch verlinkt wurde - vorgeschlagen, Lehrer sollten verschiedene Möglichkeiten bieten, wie Schüler ihre Lösungswege auch zeigen könnten. Zu diesen gehören z. B. Diskussionen oder Multimedia-Projekte, die keine geschriebenen Wörter oder Zahlen verwenden.
Wie einige Tageszeitungen jedoch geschrieben haben, steht dort nicht, dass falsche Lösungen für mathematische Aufgaben einfach akzeptiert werden sollten, Auch die Aussage, Mathematik an sich sei rassistisch ist dort nicht zu finden. Vielmehr geht es den Angaben zufolge um Lehrkonzepte, die das Lernen aller Schüler verbessern soll.
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